Donnerstag, 15. November 2012

Unsere Bügeltaschenproduktion

Unser Treffen am vergangenen Sonntag war der Verarbeitung von Taschenbügeln gewidmet. Wir hatten beim Oktobertreffen Christiane überredet überzeugt, uns in die Geheimnisse der Taschenherstellung einzuweihen – hatte sie doch immerhin schon zwei Bügeltaschen angefertigt. Bis zum Treffen erhöhte sie um fünf, wertete verschiedene Tutorials aus dem Internet aus und brachte, bestens vorbereitet, Täschchen in verschiedenen Stadien der Fertigstellung mit. 



Das Material, von Stoff und Einlage mal abgesehen: 

Taschenbügel, gibts z. B. günstig bei Bastel-Rüther in Schöneberg 
Kleber: Gütermann Textilkleber HT2 (fieses Zeugt – klebt auch Luftmatratzen und Schlauchboote; bei Rüther gibt es eine andere Sorte Textilkleber, die Ulrike ausprobiert hat: schlechter zu verarbeiten, da flüssiger, aber hält genauso gut.) 
Schnur: weder zu dünn noch zu dick, darin besteht die Schwierigkeit. Wir probierten aus: dünnes und dickes Paketband, Schnürsenkel, Papierschnur, geflochtene Schnur aus dem Baumarkt 



Zuerst einmal ging es darum, für den Bügel einen passenden Schnitt zu erstellen. 

Man zeichnet dazu die Unterkante des Bügels auf Papier ab und markiert Anfang und Ende. Über dieser Linie wird eine Nahtzugabe von 1cm angezeichnet. Nun kommt die magische Zahl 135 ins Spiel: damit man die Tasche öffnen kann, braucht der Taschenbeutel eine Schräge, die mit der schmalen Seite des Bügels verbunden wird. Diese Schräge geht in einem Winkel von 135° von den oberen Ecken der eben gezeichneten Nahtzugabe weg. Warum 135? Das konnte bisher noch nicht ganz befriedigend geklärt werden, Tatsache ist aber, dass diese Zahl in einigen Anleitungen auftaucht und dass auch bei verschiedenen fertigen Schnitten für Bügeltäschen der Winkel der Schräge immer bei ungefähr 135° liegt. 

Auf der 135°-Schräge muss man nun noch die Länge der kürzeren Bügelseite abtragen – wieder plus 1cm Nahtzugabe. (für diesen Schritt siehe auch das in der Vorankündigung schon verlinkte Tutorial von Rebecca Lynne, Bild 10). 

Den unteren Teil des Taschenbeutels kann man nun so gestalten, wie man möchte: gerade herunter oder ausgestellt, mit breitem Boden oder flach, eckig oder abgerundet. Hier bei Craft Couture gibt es sogar einen schicken Schnitt für eine bauchige Tasche mit separatem Seitenteil - anders als der Text sagt, aber wohl für einen Bügel mit 10cm Breite - man beachte die Markierungen der Schneidematte, auf der der Bügel am Anfang liegt.   

Bei dem erstellten Schnitt nun noch durch Zusammenfalten entlang der Längsachse feststellen, ob er  symmetrisch ist und ggf. ausgleichen, dann kann zugeschnitten werden: 2mal Außenstoff, 2mal Futter, 2mal Verstärkung, z. B. aufbügelbares Vlies. 



Die Außen- und die Innentasche werden erst separat genäht und dann rechts auf rechts ineinander gesteckt und entlang der offenen Kanten verstürzt. Die Wendeöffnung lässt man am besten in der Mitte der oberen Kante, die nachher sowieso in den Bügel geklebt wird. 


Nun kommt das Kleben, ein Verarbeitungsschritt, den Christiane mit bewundernswerter Souveränität durchführte, während er uns andere etwas nervös machte. Man trägt eine gleichmäßige Schicht Kleber in den Falz des Bügels auf – nicht zu viel, so dass der Kleber nicht herausquillt, aber natürlich auch nicht zu wenig. Erstmal nur auf einer Seite. Den Bügel mit dem Falz nach oben ablegen, damit der Kleber nicht herausläuft. Eine Minute warten, so dass der Kleber etwas abbinden kann und die erste Seite des Taschenbeutels von der Mitte ausgehend in den Bügel kleben – und zwar richtig herum! 


Am besten stopft man den Stoff mit einem kleinen Schraubenzieher in den Bügel. Etwas warten und dann die zweite Seite genauso kleben. 


Von unten wird dann noch ein passendes Stück Schnur in der passenden Dicke hinterhergestopft. Es nimmt auch noch etwas von dem Kleber auf und vergrößert die Kontaktfläche von Taschenstoff und Bügel. 
Und hier sind einige unserer Täschchen: von Sandra, Luise, Nadja, Anja und Katrin.

P. S.: Hat inzwischen jemand ausprobiert, ob man den Bügel mit einer geeigneten, gepolsterten Zange etwas zusammendrücken kann?

Kommentare:

  1. Wie süß!
    Ich wäre auch so gerne gekommen aber ich musste leider arbeiten :(

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  2. http://machwerke.blogspot.de/2012/06/taschenbugel-das-zangen-problem.html

    ich hoffe es hilft

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  3. Danke für die Beschreibung! Also, das muss ich einfach ausprobieren. Das scheint mir so ein Idealgeschenk zu sein, und die sind so hübsch.

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  4. Das muss ich auch unbedingt mal probieren, diese Täschchen gefallen mir in den Läden schon solange. Leider wüsste ich in unserer kleinen Großstadt (die sich ja gerne auch mit Berlin vergleicht) keine Geschäfte, wo man die "Zutaten" kaufen kann, aber zum Glück gibt es online inzwischen alles. LG Anja

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  5. Bei Rüther gab es gestern kaum noch Bügel - da waren wohl inzwischen schon einige von uns und haben sich eingedeckt. (Die Ösen an den größeren Bügeln dort könnte man vielleicht abknipsen und dann die Stelle feilen).
    Danke für die Beschreibung. Hoffentlich klappt es mit deiner Tasche nun auch noch. Eigentlich gut zu wissen, dass man auch alles wieder abreißen und neu probieren kann.

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  6. Sehr schöne Beschreibung! Vielen Dank dafür. Die Taschenbügel in vielen Formen und Größen findet ihr hier:

    http://www.taschen-zubehoer.de/

    LG

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