Freitag, 19. Oktober 2012

Ich quilte mit meiner Maschine...


... und meine Maschine mit mir! Letzteres, also dass die Maschine die Richtung vorgibt, sollte nicht mehr passieren, wenn  man beim Freihand-Quilten mit der Nähmaschine Katrins Tipps beachtet und eine Weile geübt hat. Ohne Übung geht es leider nicht, aber wenigstens ist es ganz beruhigend zu wissen, dass auch Katrin am Anfang vor den gleichen Problemen stand, wie wir alle: nicht aufhören können zu nähen, obwohl man sich in einer Ecke längst völlig verfahren hat, sich hektisch und verkrampft von der Maschine treiben zu lassen, statt ruhig und mit Übersicht Muster zu quilten. 


Eine Fingerübung von Katrin

Auch wenn meine Nähmaschine zuhause technisch nicht so ganz mithalten kann, hat mir Katrins Freihand-Quilt-Stunde am vergangenen Sonntag eine Menge Aha-Erlebnisse beschert. 

Was die Nähmaschine betrifft, so muss der Transporteur versenkbar sein: beim Freihandquilten wird der Stoff frei unter der Nadel geführt. Dazu verwendet man einen Stick- oder Quiltfuß, der nur punktuell Druck auf den Stoff ausübt und der aus durchsichtigem Plastik ist, so dass man gut verfolgen kann, wohin man näht. So einen großen Anschiebetisch, wie ihn Katrin hat, gibt es für viele Maschinen als Sonderzubehör.

Sehr günstig ist es, wenn die Nähgeschwindigkeit der Maschine reduziert werden kann. Bei den meisten elektronischen Nähmaschinen kann man das regeln: die Maschine näht dann langsam in gleichbleibender Geschwindigkeit, egal wie stark man auf das Fußpedal drückt.  

Das Quiltsandwich auch Rückseitenstoff - Wattierung - Oberseite fixiert Katrin mit speziellem Sprühkleber aus dem Quiltbedarf (sowas). Natürlich kann man die Schichten auch zusammenheften, aber nach übereinstimmender Meinung der Großprojektquilterinnen am Sonntag lohnt sich der stolze Preis für den Kleber, weil man sich Stunden nerviger Heftarbeit auf dem Fußboden spart.



Katrin trägt griffige Handschuhe zum Quilten, weil der Stoff so leichter gehalten und geführt werden kann. Es gibt spezielle Handschuhe im Quiltbedarf, genauso gut gehen aber Gärtnerhandschuhe aus dem Baumarkt, sofern sie gut passen und eine noppige Gummibeschichtung haben. 

Man quiltet immer von der Mitte nach außen. Am Anfang holt man mit einem Stich den Unterfaden nach oben und zieht ihn auf die Oberseite des Quiltsandwichs, dann wird er nicht versehentlich übernäht. Den Stoff sollte man mit den Händen rechts und links der Nadel führen - nicht von vorne schieben, dann verschieben sich die Quiltschichten.



Bei großen Teilen kann man aber von hinten ziehen und von vorne führen. 


Um solche Muster freihand hinzuzaubern, empfiehlt es sich, die Muster mit Papier und Stift zuerst auszuprobieren und sich "einzumalen" - dann lassen sie sich gedanklich leichter auf die Arbeit mit der Nähmaschine übertragen - auch wenn dort sozusagen der Stift fest steht, und der Maluntergrund bewegt wird. Und nicht vergessen, dass man jederzeit stoppen und neu ansetzen kann! Die Anfangs- und Endfäden werden mit Hilfe einer Nadel dicht am Stoff verknotet, die Fäden in eine Nadel eingefädelt, zwischen die Lagen gestochen und der Knoten in den Stoff gezogen.

Quiltbeispiel von Mirjam, vorher auf den Stoff skizziert
Katrin verwendet alle möglichen Garne zum Quilten: normales Nähgarn ebenso wie glänzendes Maschinenstickgarn. Ein spezielles Maschinenquiltgarn von Coats gibt es neuerdings sogar bei Karstadt am Hermannplatz. Am besten verwendet man als Ober- und als Unterfaden das gleiche Garn: falls einer der Fäden auf der anderen Seite durchkommt, was bei Ecken und engen Kurven leicht passiert, fällt das kaum auf.

 

Hier noch zwei Beispiele von Katrins Quiltkunst: wohlgemerkt, wir sehen hier "nur" die Rückseiten der Quilts!

1 Kommentar:

  1. Danke für die gute Zusammenfassung - der Blog kann tatsächlich bald als Näh/Quilt-Lexikon durchgehen :)

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