Mittwoch, 15. August 2012

Applikationen - Bilder auf Stoff


Am Sonntag ratterten im Nadelwald wieder die Maschinen, die hauseigenen und mitgebrachte - "ich hab' meine Maschine viel besser kennengelernt", war denn auch Doris' Fazit, die mit einer schweren, alten Bernina auf einem Rollwägelchen angereist war. Denn beim Applizieren mit der Nähmaschine muss man die Technik manchmal überlisten, um den Stoff frei führen zu können, und wie das bei einer bestimmten Maschine am besten geht, muss erst einmal herausgefunden werden.  

Aber am Anfang steht aber das Motiv. Floh lässt sich zum Beispiel von ihrer Tochter Tiere zeichnen. Viele Ideen fanden wir in Scandinavian Stitches von Kajsa Wikman, die auch ein sehr interessantes englisches Blog hat. Man sieht darin sehr schön: es muss gar nicht kompliziert sein, einfache Blattformen, Kreise, Herzen oder Blumen sehen auch gut aus.

Den Untergrund, auf den appliziert werden soll, verstärkt man am besten mit einer aufbügelbaren Einlage (z. B. Vlieseline), wenn es sich nicht von vorneherein um einen sehr festen Stoff handelt. Auch die Applikationsmotive werden vor dem Aufnähen auf dem Untergrund fixiert. Entweder mit Klebstoff - Klebestift oder Coccoina, beide waschen sich aus - oder mit Vliesofix, einem doppelseitigen Klebevlies.    



Vliesofix hat auf einer Seite ein Schutzpapier, auf das man direkt zeichnen kann, die Zeichnung schneidet man grob aus und bügelt sie auf den Applikationsstoff (oben). Nun kann man das Motiv sorgfältig ausschneiden, das Schutzpapier abziehen und das Motiv auf den Untergrund bügeln. 

Beim Aufnähen gibt es nun mehrere Möglichkeiten: ein transparenter Stickfuß, wie ihn Floh im Bild oben benutzt, ist dabei eine feine Sache. Dieser Fuß hält den Stoff nur temporär fest, und man sieht jederzeit, was man tut. An manchen Maschinen kann man das Nähtempo einstellen und wirklich ganz, ganz langsam nähen. Ob man besser den Transporteur versenkt und den Stoff frei führt - funktioniert am besten mit einem Stick- oder Stopffuß - oder ob man lieber den Transporteur oben lässt und nur den Nähfußdruck vermindert, muss man ausprobieren. Ein Vorteil des Nähens mit eingeschaltetem Transporteur ist auf jeden Fall, dass die Stichlänge ganz gleichmäßig bleibt - wenn man den Stoff selbst bewegt, hängt das von der eigenen Geschicklichkeit ab.

An der Nadelwald-eigenen Maschine von Brother fand ich keine Verstellmöglichkeit für den Fußdruck, und noch weniger ein Stickfüßchen, aber mit der ganz langsamen Einstellung und normalem Fuß ging es auch ganz gut, viel besser als mit meiner immer losgaloppierenden Maschine zuhause.



Die Rückseite sieht immer etwas unordentlich aus, und manchmal bilden sich kleine Schlaufen - das ist normal.


So ein kleiner Stickrahmen (gibt es z. B. im Kaufhaus) ist auch eine Möglichkeit. Suschna spannt festen Stoff in die kleinste Rahmengröße und stickt und appliziert so ganz ohne Nähfuß. Der Rahmen verhindert, dass der Stoff von der Nadel hochgezogen wird. Die computergesteuerten Maschinen im Nadelwald machten ihr allerdings einen Strich durch die Rechnung: sie nähen überhaupt nur los, wenn der Nähfuß korrekt eingesetzt und abgesenkt ist. Praktisch für Anfänger, die das oft vergessen und sich wundern, warum sich keine vernünftige Naht bildet, aber sehr ungünstig für Nähmaschinenhackerinnen.  


Doris applizierte einen Hasen - die Bernina nähte besser mit Transporteur als ohne. Katrin modifizierte ein Motiv von Kajsa Wikman. Die Einstellungen ihrer Maschine habe ich nicht registriert - aber ein besseres Bild dieses Quilttops findet ihr in ihrem flickr-Account


Kommentare:

  1. Ach, ich freue mich immer schon auf deine Berichte. Alles ist so gut zusammengefasst. Zukünftig werde ich alle die fragen: Wie stickt man denn frei? hierher schicken. Es gibt eben keine allgemeingültige Vorgehensweise.
    Statt immer Hacken zu müssen hätte ich ja schon ganz gern so einen Fuß wie Floh. Muss ich mich mal drum kümmern.

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  2. Ja ich finde deine Zusammenfassungen auch immer sehr informativ.Ich hab schon ein paar mal in eurem Archiv z.B.zu dem Thema English Paper Piecing nachgelesen.Danke.

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  3. Danke für den Bericht und die Fotos! Ich finde das so schön an diesen Nachmittagen - alle Fachsimpeln zu einem Thema und man bekommt immer neue Anregungen und Tipps!

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  4. Hallo, habe eben euren Blog entdeckt und frage mich, ob ihr auch Hamburger quilt-Freundinnen habt? Ich habe naemlich einen großen Berg sehr schöne Stoffe ganz günstig abzugeben. Die Stoffe sind zum großen Teil von der Redaktion einer Wohnzeitschrift, meine Schwester hat aus diesen Stofen großartige Decken gemacht. Falls ihr eine Adresse habt, ich würde mich freuen, wenn die Stoffe in Qulterinnenhaende kommen.

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    1. Hallo, ich habe deinen Kommentar an die Gruppe weitergeleitet, mal sehen, ob jemand jemanden kennt.

      viele Grüße!

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    2. Hast du eine Emailadresse, die ich an eine Interessentin weitergeben könnte? Mail mir doch kurz an nahtzugabeATgmailPUNKTcom.

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